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Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein
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Dies ist unser Webangebot mit Stand 27.10.2014. Neuere Artikel finden Sie auf der ├╝berarbeiteten Webseite unter www.datenschutzzentrum.de.

Thema Identitätsmanagement im
Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz hat die Bedeutung eines technikunterstützten Identitätsmanagements erkannt und sich der tatsächlichen und rechtlichen Problemen in diesem Bereich angenommen.

Die Online-Welt hat sich in den letzten Jahren gewandelt: Wie selbstverständlich führen einige User Webtagebücher (Blogs), die weltweit lesbar sind. In sozialen Netzwerken ist die Preisgabe von persönlichen Daten an der Tagesordnung, ohne dass die Nutzer eine Kontrolle über die einmal veröffentlichten Informationen behalten können. Will man nicht mehr mitmachen, ist es unmöglich, die hinterlassenen Datenspuren im globalen Netz zu tilgen. Auch Fehlinformationen bleiben oft unkorrigiert. Identitätsdiebstahl ist keine Einzelerscheinung mehr: Andere treten unter dem Namen und den Kennungen eines Betroffenen auf und treiben so Schindluder, was diesem fälschlich zugerechnet wird.

Die Daten bleiben nicht ungenutzt: Arbeitgeber beschaffen sich aus Profildatenbanken Informationen über Bewerber, noch bevor sie diese zu Bewerbungsgesprächen einladen. Auskunfteien nutzen die Daten zur Bewertung der Kreditwürdigkeit. In mehreren Staaten findet eine Zweckentfremdung von Daten über Einkaufsgewohnheiten oder persönliche Vorlieben durch Anbieter sozialer Online-Netzwerke statt, ohne dass die Einwilligung der Nutzer eingeholt würde. Die neuen Herausforderungen für den Datenschutz sind klar: Wie kann man die Privatsphäre bei den neu entstehenden Internetanwendungen schützen, etwa in virtuellen Gemeinschaften, in Blogs oder in sozialen Netzwerken? Wie lässt sich im globalen Internet eine lebenslange Kontrolle über die eigene Privatsphäre realisieren?

Diese Fragen stehen im Fokus des Vorhabens „PrimeLife“, das Nachfolgeprojekt von „PRIME – Privacy and Identity Management for Europe“, an dem das ULD ebenfalls beteiligt ist. In dem dreijährige Forschungsvorhaben arbeitet das ULD unter anderem mit der Technischen Universität Dresden Externer Link , dem IBM-Forschungslabor Zürich Externer Link und der Universität Karlstad Externer Link in Schweden an Lösungen für das „Identitätsmanagement 2.0“ zusammen.

Des weiteren war das ULD weitreichend an den EU-Projekten PRIME (Privacy and Identity Managament for Europe - http://www.prime-project.eu Externer Link) und FIDIS (Future of Identity in the Information Society - http://www.fidis.net Externer Link) beteiligt, die im Rahmen des 6. Europäischen Forschungsprogramms, Technologien für die Informationsgesellschaft gefördert werden. Partner waren hierbei Industrieunternehmen (z.B. IBM, Deutsche Lufthansa, T-Mobile, Hewlett-Packard) und Forschungseinrichtungen aus dem In- und Ausland.

PRIME (2004-2008) arbeitete daran, Lösungen zu erforschen und zu entwickeln, die es den Menschen ermöglichen, selbst die Kontrolle über ihre Privatsphäre im Cyberspace zu übernehmen. Zu den Aufgaben des ULD gehörten die rechtliche, insbesondere datenschutzrechtliche Begleitung, die Erarbeitung von speziellen Kriterien für datenschutzfreundliche Lösungen, die Mitentwicklung und Gestaltung von Nutzungsoberflächen sowie vor allem die Öffentlichkeitsarbeit für das Gesamtprojekt.

Bei dem Projekt FIDIS waren 24 europäische Institutionen unter der Leitung von Prof. Dr. Rannenberg, Universität Frankfurt, in einem "Network of Excellence" zusammengeschlossen. Dabei ging es um einen Diskurs über das verbesserte Verständnis und Handling von Identitätsmanagementsystemen mit dem Ziel einer gerechten Informationsgesellschaft. Die Ergebnisse der Arbeit flossen in die internationale Standardisierung ein. Aufgabe des ULD war es innerhalb des Konsortiums, rechtliches und technisches Know-how im Bereich neuer Datenschutztechnologien einzubringen.

Von November 2002 bis Ende 2003 arbeitete das ULD in Kooperation mit dem italienischen Notariat „Studio Notarile Genghini Externer Link“ an der Erstellung der Studie „Identity Management Systems (IMS): Identification and Comparison Study“, die von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Generaldirektionen der Europäischen Kommission, Institut für technologische Zukunftsforschung, Sevilla initiiert wurde. Ziel war es, den Stand der Technik zu Identitätsmanagementsystemen zu analysieren und unterschiedliche Systeme miteinander zu vergleichen. Die einzelnen Kapitel beschäftigen sich zunächst mit den Grundlagen wie Definition, Anforderungen, Mechanismen und Design. Es folgen Testberichte von zahlreichen Identitätsmanagern. Ein Fokus wurde dabei auf die europäische Sicht bei der Entwicklung und Einführung solcher Systeme gelegt. Die Studie kann inzwischen kostenlos von den Seiten des ULD heruntergeladen werden.

Im Rahmen dieser Studie wurde auch eine Umfrage bzw. Expertenbefragung unter ca. 200 Entwicklern, Visionären, Forschern und Produzenten durchgeführt werden, die es ermöglichen soll, die manigfaltigen Identitätsmanagement-Ideen herauszuarbeiten und Strukturen zu erkennen.

Das ULD sieht seine Aufgabe darin, den Weg für tatsächlich datenschutzgerechte Identitätsmanagementsysteme zu bereiten und so eine verfassungskonforme Technikgestaltung zu ermöglichen. Ziel ist das Datenschutztool der Zukunft, das allen Bürgern den selbstbewussten, situationsadäquaten und sozial verträglichen Umgang mit ihrer Identität erleichtern kann.

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